the story behind ANA-MARIA BIRSAN

Ana-Maria Birsan | Lieblingswort Kommunikations GmbH
Ana-Maria Birsan | Lieblingswort Kommunikations GmbH

Ana-Maria Birsan ist seit 2015 im Bereich Kommunikation und Werbung selbstständig und Geschäftsführerin der Lieblingswort Kommunikations GmbH. In ihrer täglichen Arbeit sieht sie nicht nur einen (wichtigen) Bildungsauftrag, sondern auch eine Herzensangelegenheit. Kreative Köpfe, die Sinn für etwas Neues und das Individuelle haben, beflügeln sie. Wahrscheinlich wird sie auch deswegen gerne mit Snapchat und Einhörnern in Verbindung gebracht.

Wer bist du und was machst du?

„Ich hab’ die Kampagne / Geschichte schon vorher gekannt. Hab’ sie auf Snapchat gesehen.“ – Nach einigen Jahren in der Werbe- und viel Zeit in der Kommunikationsbranche, darf man sich das schon auf die Fahnen schreiben. Ich bin Geschäftsführerin der Kommunikationsagentur Lieblingswort in Wien. Ich bin in den Bereichen eCommerce, Werbung und Kommunikation tätig und liebe es, mich mit kreativen Köpfen und deren Inputs zu umgeben, aber noch mehr genieße ich es, solche schaffen zu dürfen und damit einen Mehrwert zu erzeugen. Was dabei raus kommt? – Muss man gesehen haben.

Mein  Ziel ist es, die digitale Branche und den eCommerce in Österreich weiter zu bringen und zu zeigen, dass sich Unternehmen mit einer Farbpalette an Kommunikationsmittel mehr als nur auf einer Meta-Ebene befinden. Ein Bildungsauftrag so zu sagen. Eine Herzensangelegenheit eben.

Wie und warum kam es zur Gründung deiner Lieblingswort Kommunikations GmbH?

Selbstständig habe ich mich deshalb gemacht, weil ich mich selbst entdecken wollte. Klingt jetzt sehr esoterisch, ist aber im Endeffekt genau das, was ich bisher erleben durfte. Selbstständig zu sein und ein Unternehmen bzw. eine Brand oder sogar seinen eigenen Charakter auf- bzw. auszubauen ist eine Erfahrung, die ich jedem ans Herz legen möchte. Das muss jetzt nicht das Selbstständig im Sinne von einem eigenen Unternehmen sein, sondern auch Projekte als Angestellte_r initiieren reicht dafür in erster Linie vollkommen aus. Ich bin davon überzeugt, dass nicht jede_r für ein eigenes Unternehmen geeignet ist.

Gestartet habe ich zB. deshalb, weil ich gesehen habe, dass so viel Potenzial in Unternehmen und Brands steckt, welches einfach nicht genutzt wird. Ich habe es satt, die gleichen Sujets und Werbebotschaften oder Pressetexte, ja sogar Snapstories doppelt und dreifach, nur mit einem anderen Logo lesen oder sehen zu müssen. Jede Brand und jedes Unternehmen hat seinen eigenen Charakter und den gilt es, herauszufiltern. Viele verstehen diesen Ansatz eben nicht oder lassen sich von ihrer langjährigen „Partner-PR-und-Werbungs-Agentur“ Copy-Cat Strategien eintrichtern. Einfach nach dem Motto „Das haben wir immer schon so gemacht“.

Worin findest du Selbstmotivation, dein Business voran zu treiben?

Wenn ich das so sagen darf: Wenn ich mich nicht selbst dazu motivieren kann, für meine eigene Firma aufzustehen und ordentlich in die Tasten zu hauen (bildlich gesprochen), dann muss irgendetwas falsch laufen. Ich gebe zu, dass mein Wecker dann läutet, wann ich ihn selbst einstelle. Das kann an manchen Tagen gegen 05.30 Uhr in der Früh sein oder auch mal um 10.00 Uhr vormittags. Wie lange ich am Abend oder in der Nacht davor im Endeffekt gearbeitet habe, das weiß meistens nur ich.

Nein, im Ernst – die Eigenmotivation ist das Einzige, was mich vorantreibt. Das Geld ist es nämlich nicht (nach gut 1,5 Jahren Selbstständigkeit scheffelt man nicht aus den vollen Geldtöpfen). Soll jetzt kein #mimimi sein, nur möchte ich damit betonen, dass man sich als eigener Vorgesetzter schon dessen bewusst sein muss, dass man sich nur selbst motivieren kann – diese „Arbeit“ nimmt einem keiner ab. Employer-Branding – do it yourself.

Die Lorbeeren erntet man dann eben in einer anderen Art und Weise – da hat jeder seine eigenen KPI’s quasi. Die einen freuen sich an neuen Kunden-Aufträgen, die anderen darüber, dass man auf der Straße als Snapchat-Experte erkannt und angesprochen wird etc.

Freizeit und Ausgleich finde ich hingegen bei Familie und Freunden. Auch wenn diese Zeit-Slots nicht sehr lange sind, erkennt man schnell, wo bzw. bei wem Ruhepole liegen und diese kostet man dann in vollen Zügen aus. Das kann entweder ein Date mit Netflix und Harvey Spectre von Suits sein, oder ein langer Spaziergang, aber auch mal eine anstrengende Wandertour oder ein Tag im Fitness Studio inkl. Spa-Behandlung. Ganz abschalten funktioniert bei mir aber nach wie vor nicht. Das muss ich noch üben. Die Spesenabrechnung schreit immer irgendwo im Hinterkopf.

Mit welcher Herausforderung hattest oder hast du am meisten zu kämpfen?

Ich hätte mich jedenfalls besser darauf einstellen sollen, dass man trotz versprochenen Unterstützungen von mehreren Seiten (auch öffentlichen Stellen), im Endeffekt in gewissen Bereichen für immer Singleplayer bleibt. Ich hätte mich auch mehr um bürokratische Dinge kümmern sollen, als vor Kreativität zu sprudeln und den Aufwand dahinter (der mich später kurz eingeholt hat) außen vor zu lassen. Aufgeregt hat mich das österreichische Behörden-/Institutionen-System und das mangelnde Interesse an neuen, frischen Unternehmen. Vom schönen Wirtschaftsstandort Österreich kann ich leider nicht berichten. Aber gut, solange man kein technologisches Start Up ist, muss man damit rechnen, auf taube Ohren zu stoßen. Die Digitalisierung scheint für viele keine Kommunikation zu beinhalten – was sich mir nicht im Geringsten erschließt.

Das finanzielle Risiko war definitiv auch da. Immerhin ist das alles ein privater Spaß, den man sich da zu Beginn antut. Eine GmbH ohne Angespartem zu gründen ist nicht möglich. Somit war auch klar, dass viel meines Ersparten in die GmbH geflossen ist und nicht so schnell wieder zurückfließen wird. Ich will den Zauber jetzt gar nicht rausnehmen, nur als Neugründer_in sollte man sich dessen bewusst sein – schenken tut einem keine Behörde und auch keine Institution etwas.

Was bedeutet unternehmerisches Glück für dich? Und was liebst du an deinem Job? 

Unternehmerisches Glück ist für mich das tun zu können, was einem richtig Spaß macht. Sich den Luxus herauszunehmen und anderen Personen Dinge beizubringen, ist für mich keine Selbstverständlichkeit, sondern etwas Wunderschönes – dafür bin ich dankbar!

Auszeichnungen und Anerkennung sind auch schön. Komplimente gab es auch einige (nicht nur von Mama, Papa, Oma, Opa, Schwester und Freund). Das schönste Kompliment bleibt aber trotzdem, anderen etwas beibringen zu können und mit eigenem Wissen, Dinge ins Positive verändern zu dürfen. Das Kompliment „gebraucht zu werden“ macht schon sehr viel negatives wieder gut. Darauf möchte ich nicht mehr verzichten!

Was würdest du anderen raten, die vorhaben, ein Unternehmen zu gründen?

Lustig, diese Frage bekomme ich mittlerweile schon sehr oft gestellt und ich bin immer ehrlich. Man sollte es sich wirklich sehr gut überlegen, ob man den Willen, die Kraft und den Mut hat, ein Unternehmen von Grund auf aufzubauen. Da geht schon sehr viel Risiko mit. Manchen bricht das Selbstbewusstsein komplett weg, wenn sie versagen oder Dinge nicht so laufen, wie sie es sich erhofft haben.

Man sollte vor allem ehrlich mit sich selbst sein – es bringt nichts, anderen etwas beweisen zu wollen oder sogar müssen. Wichtig ist, dass man sich selbst etwas beweist und auch zugibt, dass es persönliche Grenzen gibt. Wenn man selbstständig ist, stößt man oft genug an diese – das muss man aushalten können.

Ansonsten ist es auch wichtig, sich gut und vor allem objektiv zu überlegen, mit wem man zusammenarbeiten will. Single-Player sind zwar schön und gut, aber im Endeffekt ist man in einigen Dingen nicht nur auf sich selbst gestellt. Ein Unternehmen kann überleben oder sterben mit der Auswahl des Teams.

Inwiefern unterscheiden sich Wunschdenken und Realität im Bezug auf dein Unternehmertum?

Haha, etwas … Obwohl, ich wollte von Beginn an erst einmal gehen lernen, bevor ich das ganze Ding zum Fliegen bringe. Ich habe es mir schon etwas anders vorgestellt, was noch immer harte Arbeit bedeutet. Aber im Endeffekt wird man schnell realistisch, wenn die ersten Monate vergehen und man sich selbst (und fast seine Seele) verkaufen muss um im Zirkus der Mitbewerber bestehen zu bleiben. Man muss sich eben seine eigenen Zuckerln heraussuchen.

Für Wunschdenken bleibt da nicht mehr viel Zeit – ab einem bestimmten Zeitpunkt wird nur noch gemacht. Ziele hat man natürlich im Hinterkopf, aber nur die Arbeit und das Tun bringen einen wirklich dorthin. Also lieber mehr machen als wünschen.

Schließe die Augen und denke an deine unternehmerische Zukunft. Was siehst du?

Kennt ihr Miranda Priestly (die Chefredakteurin bei Runway) im Film „Der Teufel trägt Prada“ – bzw. in Real-Life und personifiziert: Anna Wintour, die Chefredakteurin bei Vogue? – DAS ist meine Wunsch-Illusion. Es muss nicht Fashion sein, aber ein solches Medien-Imperium leiten und führen zu dürfen – that’s it!

Welche Superhelden-Eigenschaft hättest du gerne und warum?

Viele würden sagen, ich wäre gerne ein Einhorn (ich beschreibe das jetzt einfach als Superhelden). Ich kann mir leider bis zum heutigen Tag nicht erklären, weshalb ich mit diesem Fabelwesen in Verbindung gebracht werde. Aber beim genaueren Hinsehen hätte ich gerne die Ausdauer eines Pferdes (immerhin war und ist es in vielen Teilen der Welt DAS Arbeitstier schlechthin) und den Zauber und Glitzer des Einhorns oben drauf – das macht schon eine gute Kombination aus.

Nein, im Ernst jetzt. Ich würde mir mehr Verständnis, mehr „sich in jemanden hineinversetzen“ zu können und vielleicht ein wenig Gedankenlesen wünschen. Und bitte unbedingt mehr Zeit – aber das grenzt schon an Magie.

Wessen Geschichte würdest du bei the story behind gerne lesen wollen und warum?

Schwierig … Es gibt so viele Personen, von denen ich gerne lesen bzw. hören würde. Ich werde mich überraschen lassen, wer noch alles in Frage kommt für ein Interview. Es gibt da draußen so viele spannende Personen, bei denen man sich das auf den ersten Blick gar nicht denkt – versteckte Schätze eben. Auf die freue ich mich!

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