the story behind ANNA KRUPITZA

Anna Krupitza | Bunbury's Comics | (c) books in vienna
Anna Krupitza | Bunbury’s Comics | (c) books in vienna

Seit Mai 2016 ist die 26-jährige Anna Krupitza mit ihrer eigenen Comic-Buchhandlung im 7. Wiener Bezirk selbstständig. Mit Charme und Witz erzählt sie, wie froh sie darüber ist, ihre eigene Chefin zu sein und ihr deswegen auch keiner drein redet, womit sie ihre Pflanze gießt (Fritz Kola, Anm,.). Aber auch, was ihr so gar nicht liegt am Unternehmerdasein und, warum sich ihr gesamtes Leben um ihre Comic-Buchhandlung dreht.

Wer bist du und was machst du?

Ich bin eine 26-jährige Buchhändlerin aus Wien, die eine tiefe körperliche und emotionale Abhängigkeit von gutem Tee, Philosophie und Comics – natürlich auch Büchern – hat. Die meiste Zeit meines Lebens versuche ich also damit zuzubringen, alle drei Komponenten unter einen möglichst kuriosen Hut zu bringen.

Wie und warum kam es zur Gründung deines Unternehmens Bunbury’s Comics?

Die ersten Entwürfe einer Buchhandlung gab es schon 2010. Damals war es ein grobes, aber sehr charmantes Konzept der Zukunft. Sobald ich mit meiner Buchhandelslehre anfing, war mir klar, dass ich entweder eine verdammt gute Buchhandlung finden musste, um dort den Rest meines Lebens arbeiten und fristen zu können. Oder: dem Ruf der Selbstständigkeit folgen. Ich habe mich dann durch Wiener Comic-Läden und irische Buchhandlungen geschlagen und nie ganz das gefunden, was mich wirklich im Innersten bewegt hätte. Also musste und wollte ich das einfach selber machen.

Worin findest du Selbstmotivation, dein Business voran zu treiben?

Das meiste meiner Motivation entspringt dem Gedankengang, dass ich jetzt schon im Kaninchenbau drinnen bin und dann kann ich es genau so gut richtig machen und alles rocken. Momente, in denen ich meine Selbstzweifel niederknüppeln muss, wird es wohl immer geben – gute Freunde, viel Tee und gelegentliche Kurzurlaube – ohne fixes Ziel – helfen wahnsinnig. (Das positive Feedback der Leute um mich herum ist wie Balsam auf wunder Haut.)

Mit welcher Herausforderung hattest oder hast du am meisten zu kämpfen?

Oh, das ist leicht. Ich bin wahnsinnig schlecht darin, blaue Briefe zu öffnen. Dinge aufzuschieben ist wirklich ein ausgeprägtes Talent meiner Person. Etwas, das ich jetzt jeden Tag versuche, zu vermeiden.
Während der Gründung selbst, hätte mich das Finanzamt fast in den nervlichen Zusammenbruch getrieben. Wer dort einmal in der Telefon-Warteschleife festhängt, weiß wovon ich rede.
Man wird in der Selbstständigkeit auch unglaublich kreativ, z.B.: wenn die Ware nicht rechtzeitig ankommt, der Rollbalken nicht aufgeht oder das Internet sich einen Tag frei nimmt.

Und was liebst du an deinem Job?

Auch das ist leicht: Alles! Bis auf die blauen Briefe, natürlich. Das Glück meine eigene Chefin und Sklaventreiberin zu sein, kann man irgendwie nicht so ganz erklären. Ich kann den ganzen Tag das machen, was mir Spaß macht: Leute und gute Bücher/Comics zusammen bringen. So darf ich über Batman und Philosophie reden, über die Hintergründe zu Watchmen und meine Buchhandlungspflanze (Anm.: Chuck) mit Fritz Kola gießen. Ich finde, Buchhändlerin zu sein ist wie eine herrliche Melange aus Therapie, Bar-Gequatsche und Seelenhandel. Unter Anderem.

Was würdest du anderen raten, die vorhaben, ein Unternehmen zu gründen?

Ohne eine gehörige Portion Größenwahn und Masochismus glaube ich, ist die Selbstständigkeit schwer machbar. Wenn du zu den Leuten gehörst, die gerne ein geregeltes Leben haben ohne regelmäßige Existenzängste, dann ist die Selbstständigkeit nichts für dich. Falls doch, versuch‘ von Anfang an, deine Arbeitsabläufe möglichst zu optimieren. Setz‘ dich konkret mit der Identität deines Unternehmen auseinander und definiere deine Zielgruppe. Denk‘ daran, das noch kein Meister vom Himmel gefallen ist. Sei flexibel, aber nicht rückgratlos.

Inwiefern unterscheiden sich Wunschdenken und Realität im Bezug auf dein Unternehmertum?

Der tatsächliche Kund_innen-Zulauf hat mich tatsächlich überrascht und positiv bestätigt. Negativ überrascht hat mich meine eigene Unfähigkeit, Berufliches und Privates zu trennen. Bunbury ist nun mal mein ‚Abkömmling‘, aber das ich noch kurz vorm Einschlafen daran denke und auch gleich in der Früh wieder, ist doch etwas suboptimal.

Ich hab in meinem Kopf auch eine ellenslange to-do-list, die eigentlich schon im August fertig sein sollte. Aber auch Zeit ist in der Selbstständigkeit ein sehr obskures Konzept. Ich dachte tatsächlich, dass ich vor 2017 komplett eingerichtet sein werde. Ha ha.

Schließe die Augen und denke an deine unternehmerische Zukunft. Was siehst du?

Ich sehe Bücher und Comics, in denen Bunbury’s als Inspirationsquelle und als Rückzugsort angegeben wird. Die 10 Jahres-Feier der Buchhandlung zu der sich alle mit Rang und Namen aus der Comic-Szene eingeladen haben. Und mich, die als Koryphäe gehandelt wird und sich aussuchen kann, in welche tolle Stadt sie als nächste reist, um von ihrer Erfolgsgeschichte und ihrem ‚Abkömmling‘ zu berichten. Manche Leute lassen sich mein Logo tätowieren und der Begriff „Bunburyist“ wird auch hierzulande gesellschaftsfähig.

Welche Superhelden-Eigenschaft hättest du gerne und warum?

Hm, ich würde gerne der Speedster-Familie angehören. Ich liebe es, zwischen dem Ticken der Sekunden Luft zu holen, ich liebe es schnell zu sein. Noch schneller wäre also noch schöner. So schnell, das Alles in Zeitlupe verfällt und ich einzelnen Regentropfen beim Fallen zu sehen kann. Ich würde gerne so schnell sein, das ich während den Flügelschlägen eines Kolibris die Welt umrunden könnte. Das wäre natürlich für meine Buchhandlung praktisch, aber dient da eher meinem eigenem Seelenwohl.

Wessen Geschichte würdest du bei the story behind gerne lesen wollen und warum?

Ich würde gerne die Geschichte des Wiener Krimiautors ‚Lukas Pellmann‘ lesen. Hinter dem Pseudonym steckt ein Journalist, der sich unter anderem mit dem Schreiben von interaktiven Romanen rund um und in Wien einen Namen gemacht hat. Die Idee in seinen Büchern, den Leser_innen die Möglichkeit zu geben, mit den Charakteren selbst zu agieren, fasziniert mich an diesem Autor ebenso wie seine Untriebigkeit.

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