the story behind ASTRID ROTH

Astrid Roth | Astrid Roth Unternehmensberatung | Foto: Barbara Nidetzky
Astrid Roth | Astrid Roth Unternehmensberatung | Foto: Barbara Nidetzky

Astrid Roth hat sich nach einer Auszeit in Bolivien dazu entschlossen, nicht mehr in ein Angestelltenverhältnis zurück zu kehren. Stattdessen gründete sie im September 2016 ihre eigene Firma „Astrid Roth Unternehmensberatung„. Die freie Zeiteinteilung, die die Selbstständigkeit mit sich bringt, nutzt sie auch für soziale Projekte wie Flüchtlingshilfe.

Wer bist du und was machst du?

Ich heiße Astrid, bin 44 Jahre alt, Arbeitspsychologin, Unternehmensberaterin und Coachin. „Bunt“ beschreibt mich wohl am besten, denn Vielfalt liebe ich in allen Bereichen meines Lebens. Meine Stärke ist es, die Menschen, mit denen ich arbeite, in einer Vielzahl ihrer Facetten wahrzunehmen und sie beim Finden ihrer Ressourcen zu bestärken. Einen Teil meiner Zeit arbeite ich, meist ehrenamtlich, mit Menschen, die vor Krieg und Verfolgung nach Österreich geflüchtet sind.

Wie kam es zur Gründung von „Astrid Roth Unternehmensberatung„?

2014 habe ich mir eine berufliche Auszeit gegönnt. Mein Partner und ich haben unsere zwei Kinder aus der Schule genommen, ein Wohnmobil in Bolivien gekauft und sind sieben Monate gereist. Nach dieser totalen Freiheit war mir rasch klar, dass ich nicht mehr in eine Firmenstruktur zurückzugehen will. Dann kamen im Sommer 2015 die vielen geflüchteten Menschen zu uns und ich habe mich engagiert. Auch um da weiterhin meinen Teil leisten zu können, brauche ich Flexibilität.

Worin findest du Selbstmotivation, dein Business voran zu treiben?

Ich habe meine Arbeit schon immer geliebt. Meine Motivation sind die Begegnungen mit Menschen, die ich in ihrem Berufsleben begleiten darf. Ob eine Geschäftsführerin zufrieden mit einem Konzept ist, das wir gemeinsam erarbeitet haben oder einer meiner afghanisch-stämmigen Deutschschüler erstmalig Sinn erfassend liest: diese Arbeit bringt mir Freude und ist mein Glück. Wenn es dann mal ruhiger sein soll, laufe ich bei souliger Musik, häkle bunte Mützen oder vertiefe mich in ein spannendes Buch.

Mit welcher Herausforderung hattest oder hast du am meisten zu kämpfen?

Nach vielen Jahren der Anstellung ist die derzeitige Unregelmäßigkeit meiner Einkünfte für mich die größte Herausforderung. Denn die Ausgaben sind weiterhin regelmäßig und mein notwendiger Anteil am Familieneinkommen unverändert. Das ist für mich im Aufbau meiner Selbstständigkeit noch schlecht planbar, fühlt sich unsicher an und wirft immer wieder unternehmerische Fragen auf. Zum Glück stehen mir liebe Kolleg_innen und meine Steuerberaterin mit Rat und Tat zur Seite!

Und was liebst du an deinem Job?

Ein Kunde hat kürzlich zu mir gesagt: „In unserem Unternehmen waren schon viele Berater_innen. Aber bei Ihnen merkt man, Sie interessieren sich wirklich für uns.“ Das hat mich sehr gefreut. Denn das versuche ich zu zeigen, meine Wertschätzung den Menschen gegenüber, denen ich in der Beratung zur Seite stehe. Ich gebe mir Mühe, hinter die Fassade zu blicken und diese Erkenntnisse respektvoll zu kommunizieren. Und all das kann ich mir zeitlich frei einteilen. Das ist perfekt für mich.

Was würdest du anderen raten, die vorhaben, ein Unternehmen zu gründen?

Sei mutig! Du schaffst es. Und wenn es mal nicht so läuft, wie du es dir gerade vorstellst – sei gewiss und zuversichtlich, das Gute kommt wieder, oft völlig unvermutet. Vertraue dir selbst und du wirst erfolgreich sein. Und – vernetzen, vernetzen, vernetzen.

Inwiefern unterscheiden sich Wunschdenken und Realität im Bezug auf dein Unternehmertum?

Ich hatte den Luxus, mir viel Zeit für die Planung und das Hereinwachsen in die Selbstständigkeit gönnen zu können. Ich habe mir mein neues berufliches Umfeld so gestaltet, wie ich es möchte. Die saisonalen Schwankungen – im Dezember interessieren sich Firmen nicht für Beratung – habe ich allerdings nicht bedacht. So muss ich die Intensität meiner Arbeitsleistung an diese Schwankungen anpassen und meine Planung dahingehend anders ausrichten.

Schließe die Augen und denke an deine unternehmerische Zukunft. Was siehst du?

Ich habe in meinem beruflichen und privaten Leben viele großartige Menschen getroffen. Ich hätte eines Tages gerne so viele Aufträge und wäre so erfolgreich, dass ich mir mein eigenes großzügiges Büro mieten kann und all diese Menschen zu mir hole und wir gemeinsam arbeiten. Diese Kolleg_innen könnten so ihr volles Potential ausschöpfen und wir hätten es sicher sehr lustig. Das Büro wäre im Erdgeschoss, ein Ort der Begegnung für Kolleg_innen, Freund_innen, Passant_innen, geflüchtete Menschen.

Welche Superheld_innen-Eigenschaft hättest du gerne und warum?

Superheld_innen müssen nicht aufs Klo oder schlafen. Das finde ich reizvoll! Es gibt so vieles, das mich interessiert und was ich machen möchte und dann doch die Zeit fehlt. Ich schlafe zwar gerne, aber wenn ich diese Zeit verkürzen könnte und mehr Stunden am Tag zur Verfügung hätte, könnte ich all die Sachen machen, die mir Freude machen und dann doch zu kurz kommen oder die ich schon immer machen wollte: Ukulele spielen, Arabisch lernen, viel mehr lesen…

Wessen Geschichte würdest du bei the story behind gerne lesen wollen und warum?

Um mich vom Familienküchentisch weg zu professionalisieren, arbeite ich seit kurzem an einem Schreibtisch in der Bürogemeinschaft von www.waltzingatoms.com. Die Gründer Philipp Wissgott und Klemens Senn sind nicht nur zwei humorvolle Bürokollegen, sondern auch zwei findige Köpfe. Ihre Antworten auf diese Fragen würden mich sehr interessieren.

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