the story behind MICHAEL VACLAV

Michael Vaclav | .brandREACH KG
Michael Vaclav | .brandREACH KG

Erneuern, verbessern, vorne mit dabei sein oder im besten Fall: der Erste sein – irgendwo zwischen „Wissenschaftler“ und „Rebell“ ist der Marketing & Sales-Spezialist Michael Vaclav einzuordnen. Seine Erfahrung zeigt ihm, dass „sich selbst unnötig machen und wegrationalisieren“ sein Markenzeichen – und damit Segen und Fluch zugleich – ist. Aus solch einer Situation heraus, gründete er im Oktober 2014 mit Freunden die .brandREACH KG. Eine Agentur für Data Driven Marketing, spezialisiert auf Datenmanagement, Workflow Management, Marketing Automation und Digitalmarketing.

Wer bist du und was machst du?

Eine gar nicht so einfache Frage. Ich würde sagen: ich bin ein Allrounder. Da ich mit 17 angefangen habe, im Bereich Marketing & Sales zu arbeiten, hat mich mein Weg durch unterschiedliche Branchen von Promotions über Personalvermittlung zu Face2Face- und Online-Marketing geführt. Man könnte also nach inzwischen 18 Jahren sagen: Ich bin ein Vertriebs- & Marketing-Urgestein.

Was mich allerdings angetrieben hat und immer noch antreibt, ist die Vereinfachung und Automatisierung von Dingen. In jedem Job in dem ich bisher tätig war, von einer Werbeagentur über die Tageszeitung DER STANDARD oder auch in IT Unternehmen, wollte ich meine Arbeit so effizient wie möglich gestalten. Prozesse optimieren. Bei der Telekom Austria habe ich mich sogar einmal nach drei Monaten selbst wegrationalisiert. Ich glaube, die Ambition mich selbst unnötig zu machen, könnte man als mein Markenzeichen betrachten.

Wie und warum kam es zur Gründung von .brandREACH?

Ich war schon einige Male selbstständig, bzw. bin ich neben vielen meiner Beschäftigungen nebenberuflich selbstständig tätig. Die Entscheidung diese Firma zu gründen, war ursprünglich lediglich der Wunsch mit Freunden gemeinsam nebenberuflich ein bisschen mehr zu machen und unsere Ressourcen zu bündeln. 

Es hätte für uns in erster Linie so etwas wie einen Seelenhygiene-Effekt bieten sollen. Wir waren alle in größeren Unternehmen tätig und umgeben von Vorschriften und Aussagen wie „das haben wir immer schon so gemacht“. Dinge zu verändern und besser zu machen bedingt allerdings, dass man sich aus seiner Komfortzone bewegen muss. Auch lernen ist nichts anderes. Deswegen wollten wir die Dinge, die wir in unseren Unternehmen nicht durchsetzen konnten und für die wir uns brennend interessierten, auf diese Art angehen.

Das Unternehmen in dem ich damals tätig war, sah darin allerdings einen Interessenkonflikt. Leider gab es keine Möglichkeit einen gemeinsamen Nenner zu finden, also musste ich mich entscheiden: Entweder nur angestellt oder nur selbstständig. Bei einem Ultimatum allerdings gibt es für mich nur eine richtige Antwort. Also wurde aus dem nebenberuflichen Projekt ein Hauptberufliches.

Worin findest du Selbstmotivation, dein Business voran zu treiben?

Ich sehe im täglichen Leben wenig Unterschied zwischen selbstständiger und angestellter Tätigkeit. Wenn Dinge zu erledigen sind, müssen sie erledigt werden. Dazu gehört eine gute Planung der einzelnen Tasks und eine realistische Abschätzung, wie viel Zeit etwas benötigt, um umgesetzt zu werden. Natürlich ist die Verantwortung als Angestellte_r eine andere. Plötzlich ist man neben der ausführenden Tätigkeit für den Erhalt von Büro, der Liquidität, Gehälter zahlen zu können und vieles mehr, verantwortlich. Das kann auch schon einmal belastend sein. In Österreich ist die Zahlungsmoral ja teilweise nicht so erfreulich.

Was mir aber regelmäßig einen Push verleiht, ist wenn ich zurückblicke und sehe was wir schon alles erreicht haben. Nach gerade einmal zwei Jahren und mit einem recht plötzlichen Einstieg haben wir Projekte umgesetzt für große und namhafte Unternehmen, aber auch für eine Reihe kleinerer Kund_innen.

Die Tendenz ist steigend und wir wachsen mit den Anfragen unserer über 80 Kund_innen mit. Nicht in erster Linie personell, aber mit den Services, die wir anbieten. Manchmal ist nur ein kleiner Einstieg, aber dann geht es weiter in Richtung Strategie- und Prozessoptimierung bis hin zu Marketing Automation Tools. Unsere Kund_innen dabei zu begleiten und gleichzeitig zu sehen wie wir selbst an diesen Aufgaben wachsen, motiviert ungemein.

Mit welcher Herausforderung hattest oder hast du am meisten zu kämpfen?

Wir lernen jeden Tag dazu. Da es – wie oben schon erwähnt – unsere Ambition ist, uns selbst und unsere Prozesse zu verbessern, ist jedes Projekt ein Lernfaktor und ein Spiegel wie gut unsere Überlegungen in der Praxis funktionieren. Wir halten nicht viel vom „Schema F“, sondern überlegen uns nach jedem Projekt was hätte besser laufen können und wie wir in Zukunft noch effektiver arbeiten können.

Natürlich gibt es aber auch sehr ärgerliche Themen, bei denen ich am liebsten die Decke hochgehen würde. Nicht zahlende Kund_innen. Ansprechpartner, die ihre Meinung x-mal ändern, aber natürlich nicht verstehen, warum der Mehraufwand zu bezahlen ist. Projekte, auf die man sich vorbereitet hat und die nicht und nicht starten – und da gibt es einige davon.

So ist es natürlich schwer zu planen. Seien es Ressourcen oder Budgets. Deswegen müssen wir immer sehr knapp voraus unsere Planungen erledigen, da erst nach Unterschrift ein Projekt wirklich angegangen wird. Alles andere kann sein, aber muss nicht.

Und was liebst du an deinem Job?

Das ist definitiv die gestalterische Freiheit. Sei es das Thema Arbeitsgestaltung. Also z.B. welche IT-Systeme, Firmensitz, Arbeitszeiten, Homeoffice und so weiter. Aber am Meisten Fragen wie: Wo wollen wir hin? Was ist unsere Identität? Wo sehen wir uns in 2, 3 oder 5 Jahren? Gerade erst vor Kurzem haben wir beschlossen eine gewisse Zeit zu blocken, um gemeinsam über diese Themen zumindest einmal im Monat eine Art Review zu halten und über unseren Ausblick nachzudenken und zu diskutieren.

Ich glaube, dass man sich gerade in der Werbebranche sehr leicht verläuft, weil man als Dienstleister meistens die Dinge umsetzt, die man als Auftrag erhält. Viele Digitalagenturen produzieren Tag ein Tag aus ihre Webseiten für Kund_innen nach demselben Prinzip, Schalten ihre Performance-Kampagnen auf dieselbe Art und Weise. So wollen wir nicht sein, sondern unsere Tätigkeiten in eine Richtung lenken von der wir glauben, dass sie auch zukunftsträchtig ist. Es gibt einen ständigen Wandel – gerade im Digitalbereich – und wir wollen nicht nur früh erkennen, wo die Reise hingehen wird, sondern die Zukunft aktiv mitgestalten.

Dazu gehören natürlich auch KundInnen die Bereit sind auch einmal etwas auszuprobieren. Innovator oder Early Adopter zu sein. Davon könnte es durchaus mehr geben.

Was würdest du anderen raten, die vorhaben, ein Unternehmen zu gründen?

Leider – und das sehe ich immer wieder – fallen viele junge Leute auf diesen Start-up-Hype herein. Ja, ein Produkt lässt sich vielleicht bauen. Aber die Kenntnisse rundherum fehlen einfach. Gerade wenn es um strategisches Vorgehen geht, ist leider zu wenig Verständnis da. Das sieht man auch durch den Drang laufend Investoren in frühen Phasen an Board zu holen. Quasi gleich vom Fleck weg zu günstigen Konditionen Anteile am Unternehmen her zu geben und zu hoffen, dass es das nächste große Ding wird. Also wäre mein Rat hier, zuerst unternehmerisches Denken aneignen. Ein Unternehmen aufzubauen und zu führen, besteht aus viel mehr als ein Produkt zu entwickeln. Ich glaube, da sind viele noch nicht bereit dazu.

Inwiefern unterscheiden sich Wunschdenken und Realität im Bezug auf dein Unternehmertum?

Das lässt sich eigentlich nicht beantworten. Wir haben uns einen Zeitrahmen von 5 Jahren gegeben, um uns selbst als Agentur zu finden und ich denke wir sind da schon sehr weit. Wir wussten alle, dass es kein Zuckerschlecken wird und wir eine gewisse Zeit fast rund um die Uhr arbeiten werden. Aber wir wussten auch, dass es besser wird und wir uns unsere Ruhephasen gönnen müssen. Wir haben nach dem plötzlichen Start sehr genau darüber nachgedacht wie wir vorgehen wollen und sind daher auf wenig Überraschungen gestoßen und wenn, dann waren es lediglich Kleinigkeiten.

Schließe die Augen und denke an deine unternehmerische Zukunft. Was siehst du?

Wir sind bei der Nutzung von innovativen Lösungen für uns selbst und unsere Kund_innen ganz vorne dabei. Aber wir haben noch einige Dinge in der Schublade die wir – sofern es sich finanzieren lässt – gerne umsetzen würden. Da es zu unseren Grundeigenschaften zählt, Dinge zu hinterfragen, kommen auch Innovationen zu Tage, die entweder revolutionär sind oder einfach nur schiefgehen. 

Aber wenn ich träumen darf: Dann liegt in unserer Schublade eine komplett neue Art von Internet. Keine E-Mails, keine Webseiten, keine Suchmaschinen. Eine ganz neue Art, mit Information umzugehen. Also wenn ich einen größeren Gewinn beim Euro-Millionen-Spiel mache, dann beginnen wir mit der Umsetzung

Welche Superheld_innen-Eigenschaft hättest du gerne und warum?

Gedankenlesen. Ganz klar: Gedankenlesen. Manchmal sitze ich in Terminen mit Kund_innen und weiß, das was gerade gesagt wird, stimmt nicht. Da steckt noch etwas anderes dahinter. Und es ist teilweise wirklich schwer, die gesamte Information zu erhalten. Aber ohne dieser ist es auch nicht wirklich möglich, ein Projekt von allen Seiten betrachten zu können. In solchen Situationen die Gedanken lesen zu können, wäre definitiv hilfreich.

Wessen Geschichte würdest du bei the story behind gerne lesen wollen und warum?

Ich glaube, eine wirklich spannende Geschichte mit unglaublichen Höhen und Tiefen könnte David Kreytenberg erzählen. Einige seiner Stationen habe ich selbst miterlebt, aber bei einem so umtriebigen Menschen gibt es sicher noch viel mehr zu erfahren.

Schreibe einen Kommentar