the story behind NATASCHA SAFARIK

Natascha Safarik | Tintenfuchs
Natascha Safarik | Tintenfuchs

Die studierte Informationsdesignerin und Anglistin, Natascha Safarik, hat eine zeitlang als Grafikerin und Übersetzerin gearbeitet. Schließlich hat sie sich ins Kalligraphieren, also der Kunst des Schönschreibens, verliebt. Die gebürtige Grazerin, die in Wien lebt, macht bereits seit bald drei Jahren unter dem Pseudonym Tintenfuchs nicht nur Kund_innen wie Louis Vuitton glücklich, sondern auch viele Hochzeitspaare.

Wer bist du und was machst du?

Ich bin Kalligraphin und habe vor 2,5 Jahren beschlossen, dass die Kalligraphie meine Berufung ist. Und, dass ich versuchen will, mich damit selbst zu erhalten. Ich habe vorher Anglistik und Informationsdesign studiert und als Übersetzerin und in Werbeagenturen gearbeitet, aber das hat nie so ganz gepasst. Für die Kalligraphie war ich dann so Feuer und Flamme wie sonst für noch nichts in meinem Leben. Und da ich den ganzen Tag nichts anderes mehr machen wollte, musste ich eben schauen, dass mich dafür jemand bezahlt.

Ich habe in Berlin und den USA Kurse bei renommierten Kalligraph_innen wie Barbara Calzolari, Harvest Crittenden, Marian Gault und Jake Weidmann besucht und dort alles aufgesaugt, was ich konnte. Mein Ziel ist es, eines Tages so gut zu sein wie meine Vorbilder (z.B. Barbara Calzolari, Anne Elser oder Schin Loong). Ich war immer eher eine Pessimistin und wenig selbstbewusst, aber durch den kontinuierlichen Anstieg an Nachfrage hat sich da auch meine Einstellung geändert. Ich bin selbstbewusster geworden und gehe offener auf Leute zu.

Wie und warum kam es zur Gründung deines Unternehmens „Tintenfuchs“?

Als angestellte Grafikerin und studierte Informationsdesignerin hat es mich zunehmend genervt, dass die verfügbaren Script-Fonts (für die ich immer schon ein Faible hatte) meinen Ansprüchen nicht genügten. Es hat immer genau das Feature gefehlt, das ich gebraucht hätte. Es gab einfach zu wenige Möglichkeiten zur Individualisierung! Daher habe ich mich dafür entschlossen, es einfach selbst zu machen.

Ich wusste damals noch nicht, wie viel Arbeit das mit sich bringen wird. Gleichzeitig habe ich mich aber komplett in diese Arbeit verliebt. Vor ein paar Jahren gab es noch gar keinen Gewerbeschein für Kalligraphie, daher habe ich mich als Werbegrafikerin angemeldet. Inzwischen gibt es dieses Gewerbe, auch wenn ich laut Wirtschaftskammer die Einzige in Österreich bin, die sich dafür angemeldet hat. Das ist so absurd, es gibt nicht einmal eine schriftliche Gewerbebeschreibung!

Worin findest du Selbstmotivation, dein Business voran zu treiben?

Was mich vorantreibt, ist der Wunsch, immer besser zu werden. Ich bin als Kalligraphin noch lange nicht da, wo ich gerne wäre. Und jedes Projekt sehe ich als Gelegenheit, meine Skills weiter auszubauen. Ich habe Ehrgeiz und konkrete Vorstellungen, wie meine Kalligraphie mal aussehen soll. Da ich aber nicht davon leben kann, alleine meine Übungsblätter zu füllen, muss ich Kund_innen finden, die mich dafür bezahlen. Und das treibt mich ebenfalls an.

Mein Freund ist mir da eine riesige Stütze. Als ich noch nicht daran geglaubt habe, dass jemals Kund_innen auf mich zukommen werden, hat er mir schon gesagt, dass das was wird. Und er baut mich auch bei jedem Durchhänger aufs Neue auf.

Instagram und mein Blog motivieren mich auch immer wieder. Ich bekomme sehr viel positives Feedback und es gibt eine tolle Online-Community. Dort finde ich sowohl Inspiration als auch Ideen und Aufmunterung.

In meiner Freizeit spielt die Wildtierhilfe Wien eine große Rolle, wo ich mich um verwaiste und verletzte Wildtiere kümmere bis sie wieder ausgewildert werden können. Im Vergleich zur Kalligraphie ist das eine eher dreckige Arbeit, die mich aber unglaublich erfüllt. Leider bleibt gerade zu wenig Zeit dafür. Weiters bin ich ein bisschen ein TV-Serien-Junkie und begeisterte Brett- und Pen & Paper-Rollenspielerin. Am Abend mit Lieblingsmensch(en) und Katzen am Sofa hocken (netflix&chill) ist einfach wunderbar.

Mit welcher Herausforderung hattest oder hast du am meisten zu kämpfen?

Die größte Hürde war für mich die Akquise der Kund_innen. Wenn dich noch keiner kennt, kann dir keiner Jobs geben. Daher musst du erst mal raus, ran an die Leute. Ich tu‘ mir mit der Selbstvermarktung immer noch schwer, aber es wird besser. Natürlich sitzt einem anfangs auch der Kontoauszug im Nacken!

In meiner Branche kann es mit Kund_innen auch schwierig sein. Viele stellen sich vor, dass man „eh nur einfach was hinschreibt“. Dass du vorher jahrelang unbezahlt geübt hast oder einen Satz auch 30 mal schreibst, bevor er perfekt ist, sieht eben keiner.

Ich habe manchmal Probleme mit Kund_innen, die den vorher kommunizierten Arbeitsablauf ignorieren. Nicht jedes Papier ist geeignet und ich bin keine Maschine, daher mache ich auch mal Fehler. Daher brauche ich vorher ein Sample und ein paar Blätter extra. Aber manchmal stehen dann Kund_innen mit der exakten Anzahl an Kuverts, die sie brauchen, vor der Tür und das Papier ist nicht beschreibbar. Ich hatte da anfangs wirkliche Hemmungen, auf den Tisch zu hauen und zu sagen: „So war das nicht ausgemacht, das geht nicht.“ Mut zur Konfrontation ist also auch so eine Sache, die ich mir erst anlernen musste.

Was ich definitiv unterschätzt habe, ist der Organisationsaufwand. Kund_innen-Verkehr, Angebote und Rechnungen schreiben und natürlich die Buchhaltung. Ich bin leider kein sehr ordentlicher Mensch. Daher hänge ich damit immer hinterher, weil ich noch irgendwelche Belege wiederfinden muss, die ich an einen ganz schlauen Ort gelegt habe.

Und was liebst du an deinem Job?

Ich würde nicht mehr auf die freie Zeiteinteilung verzichten wollen. Ich werde dafür bezahlt, dass ich meine Kalligraphie verbessere! Und: Es gab schon ein paar Momente, die mich stolz gemacht haben, z.B. wenn mir eines meiner Vorbilder plötzlich auf Instagram folgt. Und ich liebe Papier, Tinte, Federhalter und Stifte. Jetzt sind das keine Hobbyanschaffungen mehr, sondern Arbeitsmaterial. Großartig!

Was würdest du anderen raten, die vorhaben, ein Unternehmen zu gründen?

Ich bin ja gerade im verflixten dritten Jahr und demnächst steht meine erste SVA-Nachzahlung an. Viele Menschen haben mir geraten, 40 Prozent des Einkommens zur Seite zu legen. Ich glaube, darüber werde ich bald mal froh sein. Daher gebe ich das so weiter.

Unterschätzt‘ das Organisatorische nicht. Rechnungen und Angebote schreiben ist langweilig, mühsam und zeitaufwändig. Da geht mehr Zeit drauf, als man glaubt! Für die Kommunikation mit den Kund_innen ebenfalls.

Was ich selbst erst lernen musste und ich gerne weitergeben möchte: Verkauft euch nicht unter eurem Wert! Das war für mich anfangs eine große Hürde: die Frage „Bin ich das wert?“. Denkt an all die Stunden, die ihr für diesen Moment geübt, gelernt und trainiert habt, das wird muss mitbezahlt werden. Denkt immer daran: Die Kund_innen können das nicht, deshalb kommen sie auf euch zu. Vertraut euch so, wie die Kund_innen euch vertrauen!

Auch wichtig: Macht euch im Vorhinein Gedanken über alle möglichen Preise. Dann könnt ihr nicht von telefonischen Anfragen überrascht werden. Die Preise sollten natürlich auch nicht zu weit von dem entfernt sein, was andere in eurer Branche verlangen.

Inwiefern unterscheiden sich Wunschdenken und Realität im Bezug auf dein Unternehmertum?

Jetzt, wo das ganze ins Laufen gekommen ist, lebe ich eigentlich meinen Traum (klingt kitschig, ist aber so). Anfangs musste ich mehr Jobs machen, die mir keinen Spaß gemacht haben und ein großer Teil war Unliebsames: Kund_innen-Akquise, Buchhaltung, Wirtschaftskammer, SVA … Aber jetzt kommen die Kund_innen auf mich zu und ich kann mir schon aussuchen, welche Jobs ich annehme.

Besonders cool finde ich, dass immer wieder neue Herausforderungen dabei sind. Ein Kunde wollte zum Beispiel Beschriftungen auf der Wand, aber in zwei Metern Höhe und ziemlich groß. Das habe ich mir mit dem Pinsel ehrlich gesagt nicht zugetraut. Daher habe ich nach anderen Lösungen gesucht und schlussendlich die Schriftzüge aus Vinylfolie geschnitten und so angebracht.

Schließe die Augen und denke an deine unternehmerische Zukunft. Was siehst du?

Ich sehe einen rieeeeeeesigen Schreibtisch. Auf der einen Seite neue Projekte wie kalligraphische Props für Filme und TV-Serien. Auf der anderen Seite sind Briefe von meinen Vorbildern, die mir zur Qualität meiner Kalligraphie gratulieren. Und meine Katzen haben gelernt, nicht auf den Schreibtisch zu springen (das ist der Teil der Vision, der nie eintreten wird).

Welche Superhelden-Eigenschaft hättest du gerne und warum?

Ich würde gerne fliegen können. Da oben würde ich mal den Kopf frei kriegen, eine andere Perspektive haben und auch mal schneller zu Terminen mit Kund_innen kommen, das frisst immer so viel Zeit.

Wessen Geschichte würdest du bei the story behind gerne lesen wollen und warum?

Mich würde die Geschichte von Martina Flor interessieren. Sie hat es als Deutsche geschafft, mit Handlettering international bekannt zu werden. Ist nicht ganz Kalligraphie, aber ähnlich. Da fände ich es enorm spannend, wie sie den Sprung zu internationalen Kund_innen geschafft hat.

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