the story behind VERENA WIESINGER

Verena Wiesinger | Autohaus Wiesinger Wien
Verena Wiesinger | Autohaus Wiesinger Wien

Verena Wiesinger ist seit 25 Jahren im Familienbetrieb der Autohaus Wiesinger-Gruppe tätig und hat mittlerweile die Leitung des Standorts in Wien-Ottakring inne. Die Mama zweier erwachsener Söhne legt großes Augenmerk auf das Wohl ihrer Mitarbeiter_innen. Seit Juni ist sie diplomierte Ernährungscoachin und hat damit schon die nächsten Ideen im Kopf – bestimmt auch ihr Team betreffend.

Wer bist du und was machst du?

Frau – Mutter – überzeugte Optimistin – kreativ – modern mit konservativen Grundsätzen. Außerdem bin ich als Standortleiterin in einem Familienbetrieb tätig und die 2. Generation nach der Gründung.

Meine Leidenschaft ist der Umgang mit Menschen – in meinem beruflichen Tätigkeitsfeld bin ich somit die antreibende Kraft für die Mitarbeiter_innen. (Ich finde das Wort Mitarbeiter_innen-Führung nicht mehr zeitgemäß). Natürlich braucht es Regeln, und die müssen auch vorgegeben und von allen eingehalten werden, aber ich bin davon überzeugt, dass man mit Motivation, Respekt und Wertschätzung viel mehr erreicht als mit Strenge und Härte.

Wie und warum kam es zur Gründung deines Unternehmens?

Meine Eltern haben das Unternehmen im Jahre 1974 gegründet. Begonnen haben sie im Betrieb in Ottakring mit 6 Mitarbeiter_innen. Mittlerweile sind am Standort Ottakring 40 Mitarbeiter_innen beschäftigt. Die gesamte Autohaus Wiesinger-Gruppe beschäftigt 160 Mitarbeiter_innen.

Ich bin der klassische Fall – von der Pike auf gelernt und es war klar und ohne Alternative: die Tochter unterstützt uns im Betrieb. In den letzten 25 Jahren habe ich in allen Abteilungen gelernt und gearbeitet. Für alle Bereiche unserer Geschäftsfelder habe ich mein Wissen in einer Vielzahl von Ausbildungen vertiefen können.

Der letzte große Ausbildungszyklus war der Abschluss einer Masterclass – die Ausbildung zum Handwerk des Unternehmertums!

Worin findest du Selbstmotivation, dein Business voran zu treiben?

Als Unternehmer_in hat natürlich die Existenz eine große Triebkraft. Und nicht nur die Existenz der Familie, man ist auch für jede_n Mitarbeiter_in verantwortlich. Aber nur der Antrieb „Geld“ führt meiner Meinung nach nicht zum Erfolg. Es gehört auch Leidenschaft dazu. Und die Lust daran, erfolgreich zu sein.

Mit welcher Herausforderung hattest oder hast du am meisten zu kämpfen?

Die größte Herausforderung ist es, als Mutter, Tochter und Chefin alles richtig zu machen, und nichts zu vernachlässigen. Meine Söhne sind nur mit 20 Monaten Abstand zur Welt gekommen. Und mit zwei kleinen Kindern, Haushalt, Kindergarten, Schule und den Aufgaben im Betrieb stößt man an seine Grenzen.

Da schafft man es sehr oft nicht, der gerne polarisierten Optik der Unternehmerin zu entsprechen. Man hetzt zwischen Kindern, Haushalt und Firma hin und her. Man switcht – so gut es geht – schnell mal zwischen gesundes Essen kochen für die Kinder, der Betriebsbesprechung mit 40 Mitarbeiter_innen und der Diskussion mit dem Sohn, warum die Hausübung noch nicht erledigt ist.

Auch wenn es in der noch immer dominierenden Männerwelt nicht immer als Vorteil gesehen wird, wenn man die Aufgabe Mutter ebenso ernst nimmt wie die Aufgabe als Unternehmerin, ist es meiner Meinung nach die beste Ausbildung, um mit Stress und ständig wechselnden Herausforderungen umgehen zu können.

Mittlerweile sind meine Söhne erwachsen, und ich habe mehr Zeit für meine Verwirklichung. Das ist etwas Wunderbares – aber auch eine große Umstellung!

Und was liebst du an deinem Job?

Das Schöne am Unternehmertum ist, dass man seine Kreativität, seine Ideen ausleben kann – bei unserer Größe natürlich nur in einem verantwortungsvollem Rahmen – aber: man kann. Ich blende jetzt die Vorgaben unserer Marken gerne aus, wenn es um die unternehmerische Freiheit geht. Wichtig ist die Abwechslung: Kundenbetreuung, Teamarbeit, neue Technologien und Gesetze, Controlling, Marketing, Umbauten, … Es gibt täglich Neues. Jeden Tag genau dasselbe zu tun, wäre für mich unerträglich.

Was würdest du anderen raten, die vorhaben, ein Unternehmen zu gründen?

Mitarbeiter_innen so weit zu unterstützen, zu lenken und zu motivieren, dass sie das Ziel des Unternehmens verinnerlichen und selbstständig erkennen, was, wann und wie notwendig ist. Das ist zwar ein längerer Weg, das Ergebnis ist aber wunderbar! Es macht viel Freude mit einem Team zusammen zu arbeiten, in dem man diese Eigenschaften wieder findet.

Inwiefern unterscheiden sich Wunschdenken und Realität im Bezug auf dein Unternehmertum?

Leider wird es immer schwieriger für Unternehmer_innen. Die Hürden und finanziellen Belastungen, um alle notwendigen Auflagen zu erfüllen, sind meiner Meinung nach schon am Zenit angelangt. Die Bruttogehälter sind enorm hoch und für Unternehmen eine finanzielle Herausforderung. Im Gegenzug haben die Nettogehälter nichts mehr mit der leistungsorientierten Bezahlung zu tun, die man Mitarbeiter_innen gerne zukommen lassen würde.

Diese Schere ist schlecht für die Wirtschaft, die Kaufkraft – die Lohnnebenkosten müssen weiter sinken. Das schafft den notwendigen Ansporn, dass Unternehmen die Anzahl der Mitarbeiter_innen erhöhen. Das Augenmerk sollte unbedingt mehr darauf gelegt werden, dass Leistung, also Arbeit, wieder sehr viel wert ist!

Schließe die Augen und denke an deine unternehmerische Zukunft. Was siehst du?

Mein neues Steckenpferd ist die Ernährung. Im Juni habe ich die Diplomprüfung zur Ernährungscoachin abgelegt. Die Auswirkungen der Ernährung auf den körperlichen und seelischen Zustand ist enorm, und somit ist auch dieser Bereich in einem Team nicht zu vernachlässigen. Unternehmen, die ihr Augenmerk auf die Zufriedenheit der Mitarbeiter_innen legen, haben eindeutig die Nase vorne. Hier habe ich sehr viele Ideen – schauen wir mal, was da noch kommt!

Welche Superhelden-Eigenschaft hättest du gerne und warum?

Gedanken hören/lesen – das würde vieles erleichtern …

Wessen Geschichte würdest du bei the story behind gerne lesen wollen und warum?

Die von Christian Partner von partner&comp, weil er nie aufhört, dazu zu lernen und für mich die Verkörperung des Wortes „Wertschätzung“ ist.

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